Nachruf

Mit großer Trauer möchte ich berichten, dass vor kurzem mein über alles geschätzter Doktorvater gestorben ist. Erst im Januar 2013 hatte er noch den 81. Geburtstag begehen können.
Franz Schneider war ein Professor des alten Stils. Und doch modern. Schneider lehrte in München an der LMU und in Salzburg.
Er hielt exzellente Vorlesungen. Über Politikwissenschaft und die politische Kommunikation. Über die ersten Schritte des Deutschlands nach 1945. Seine Seminare waren immer anregend. Und anstrengend. Wie wichtig war ihm das Schicksal der Geschwister Scholl und deren Freunde in der Weißen Rose! Er lehrte uns die Bedeutung der Pressefreiheit. Und zeigte uns auf, wo Missbrauch der Demokratie schädlich war. Bis heute. Wir, seine Schüler, haben das nie vergessen.
Franz Schneider war oft unbequem. Er war kein Angepasster. Münchner durch und durch. In der Nazi-Zeit verschlug es ihn für einige Zeit an ein humanistisches Gymnasium in meine Heimatstadt. So wußte er viel aus dieser Zeit zu erzählen.
Franz Schneider, zweifach promoviert, daher unter uns Studenten oft “Franz Franz” genannt, nicht böse gemeint, sondern respektvoll, war ein strenger Doktorvater. Er selbst, Schüler von Hans Maier, dem langjährigen bayerischen Kultusminister und Inhaber des Romano-Guardini-Lehrstuhls, war Jurist und Politologe. Lateinisch und Altgriechisch waren seine Leidenschaft ebenso wie – heute sehr ungewöhnlich – die Stenografie. Was war er irritiert, wenn junge Menschen in Lehrveranstaltungen nicht schnell mitschreiben konnten! Was war er verwundert, wenn seine Vorstellung von Allgemeinbildung nicht deckungsgleich war mit dem, was er erlebte.
Sein Doktorandenseminar war die beste Anleitung für wissenschaftliches Denken und Arbeiten, man durfte nur nach Nachweis des entsprechenden Propädeutikums und diverser sog. Hauptseminarscheine teilnehmen.
Und trotz all dieser Strenge – er hatte viel Humor. Legendär die Märsche auf den Monopteros, mit vino rosso und Brot im Korb, philosophisch-politologisch-verfassungsrechtliche Fragestellungen im Diskurs. Bis zuletzt hatten wir Kontakt.
Er war mir in den vergangenen 25 Jahren ein, ja mein akademischer Wegbegleiter und Berater. Auch in der Politik. Immer geradlinig. Immer aufrecht. Er fehlt mir.

Hier ein Link zum Geschwister-Scholl-Institut:

http://www.gsi.uni-muenchen.de/aktuelles/2_aktuelles_institut/trauer_schneider/index.html

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“Demokratie – das sind wir alle”

Und das ist auch der Titel einer Vortragsreihe der Katholischen Landvolkbewegung im Rahmen der 28. Arnbacher Gespräche im Landkreis Dachau.
Hatte beim ersten Vortragstermin der Generalvikar des Erzbistums München und Freising, Prof. Dr. Peter Beer, der auch der Vertreter von Kardinal Marx ist, gesprochen, wird beim dritten Vortragsabend Sebastian Frankenberger zu hören sein; Frankenberger ist vor allem bekannt geworden als Initiator des Volksentscheides für den Nichtraucherschutz.
Den zweiten Vortragsabend bestreitet Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner mit dem Thema „Medien und Demokratie“.
In ihrem Beitrag befasst sie sich vor allem mit den geänderten Rahmenbedingungen für Demokratie durch die Digitalisierung. Soziale Netzwerke verändern die Mediennutzung durch die Bürger und dies schlägt sich auch auf das Verhältnis und die Einstellung der Bürger zur Demokratie nieder. Medien werden Mitmach-Medien. Demokratie als repräsentative Demokratie wird immer mehr verstanden als Demokratie der direkten Art. Auch die Politiker nutzen die Medien.
Am Beispiel von Obama oder Angela Merkel wird die Referentin aufzeigen, dass auch diese ihren Wahlkampf ohne mediale Eigennutzung nicht mehr realisieren. Schließlich wird der Frage nachgegangen, ob Menschen, die moderne Medien nicht nutzen, von der Politikkommunikation abgehängt und vergessen werden?
Der Gesprächsabend mit Gabriele Goderbauer-Marchner findet am Dienstag,
19. Februar 2013, 19.30 Uhr, im Pfarrhof Arnbach statt.

Hier ein Link zu dem Vortragszyklus:

http://www.klb-dachau.de/arnbachergespraeche-2013-ankuendigung.htm

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Medienpolitik und Rundfunkbeiträge

Jetzt haben wir viele, viele Jahre die sog. Rundfunkgebühren bezahlt, die einen freiwillig, die anderen, weil die GEZ-Türklingler ante portas waren – aber die Gebühren wurden bezahlt.
Nun haben wir eine neue Regelung, geschuldet den veränderten technischen und nutzerorientierten Rahmenbedingungen. Im Entwurf noch als Haushaltsabgabe bezeichnet, ist seit 1. Januar 2013 der sog. Rundfunkbeitrag zu zahlen; alle Haushalte müssen nun für die Nutzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zahlen.
Als Außenstehender hat man den Eindruck, dass die Liste der Sonderregelungen groß ist. Als Außenstehender erlebt man, dass sich – anders als in der Vergangenheit – nun große Unternehmen wie Rossmann et al. , aber auch Handwerksbetriebe wehren. Als Außenstehender staunt man (oder nicht), das sich jetzt auch große Kommunen – Köln etc. – wehren wollen.
Der Öffentlich-Rechtliche ist zu teuer, sagen viele. Die Jugend schimpft sowieso. Affären wie die um “Wetten, dass…” tragen das Ihrige bei, dass nicht gerade mit Wonne ein Beitrag bezahlt wird für Einrichtungen, die nicht viel anders agieren als Sender, denen man etwaige Ernsthaftigkeit absprach. Es muss ja nicht gleich Dschungelcamp nachgemacht werden bei ARD oder ZDF. Aber – die Garantie, Rundfunkbeiträge zu erhalten, sollte die Frage nach Qualität und Niveau hochwertiger ansiedeln als andernorts.
Vor ein paar Jahren hatte ich einmal die Abschaffung von “Neun Live” gefordert. Warum erhielt so ein Sender von der zuständigen Landesmedienanstalt die Lizenz? Ein paar Monate später war der Sender – im Sommer 2011 – dann selbst “weg vom Fenster”. Aus eigenen Antrieben. Die Call-In-Abzocke hat wohl nicht mehr funktioniert. Schließung nicht aus Qualitätsgründen, sondern aus kommerziellen. Dennoch bleibt die Frage, warum hier Lizenzen gegegeben wurden für ein Format, das so mancher als Nicht-TV bezeichnet hatte.
Die Öffentlich-Rechtlichen sollten die Grundversorgung gewährleisten. Das ist ein gesetzlich definierter Auftrag. Information müsste hier zumindest gleich wichtig sein wie Unterhaltung, meine ich. Aber – wo findet Information statt?
Infotainment schleicht sich immer mehr ein. Geplappert und geplaudert wird auf allen möglichen Sofas in allen möglichen Farbvarianten vor doch recht billiger Kulisse – nur die blassen Gäste sind immer wieder die Gesichter, die man schon aus anderen sog. Talks kennt.
Es wird spannend, ob, und wenn ja, wie sich die KEF und die jeweiligen Bundesländer die zu finanzierende Zukunft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (die in meinen Augen natürlich immer wieder exzellentes Fernseh- und Radioprogramm machen) vorstellen, neu modellieren, auf Proteste reagieren. Jetzt einfach zuzuschauen, die Proteste schlicht zu ignorieren, das wird m.E. nicht gehen.
Viele wissen gar nicht, wie die Regelung über die Höhe der Beiträge über die Bühne geht. Die Sender – die öffentlich-rechtlichen – melden quasi ihren Wunsch an bei der KEF, der Kommission zur Überprüfung und Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (der öffentlich-rechtlichen). Am Ende müssen die Länderparlamente auch noch zustimmen.
Deshalb mein Appell – wir sind ja in einem Wahljahr, auf allen politischen Ebenen wird in den nächsten Monaten gewählt (2013, und 2014 geht es dann weiter mit den Wahlen:
Die Verbraucher, die “User”, sollten, so meine Meinung, die Landtagsabgeordneten und die, die das werden wollen, stärker in die Diskussion einbinden! Das wäre echte Volksnähe. Und keiner kann sich herausmogeln, er wäre hier nicht zuständig!
Übrigens – damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ich finde das duale Rundfunksystem sehr gut und richtig (aber im System müssen Verbesserungen realisiert werden, die Digitalisierung greift auch hier). Und ich bin ein Fan von Deutschlandradio!

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Filmland Bayern – bald findet hierzu ein Seminar statt

Anfang Oktober 2012 hält die Hanns-Seidel-Stiftung ein sehr interessantes Seminar in Wildbad Kreuth ab – zum Filmland Bayern. Anmeldungen sind noch möglich.
Auf der mehrtägigen Veranstaltung werde auch ich sprechen und diskutieren – und der engagierte Online-Journalist Heinrich Rudolf Bruns hat mich vorab besucht und einige Fragen gestellt. Hier ein Link:

http://hrbruns.de/blog/filmland-bayern-nicht-nur-ein-seminar/

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Dritter Preis für Stephanie Haberkern

Bei der Verleihung des ARD/ZDF Förderpreises für exzellente Abschlussarbeiten an Hochschulen und Universitäten mit dem großen zentralen Themenaspekt “Frauen+Medientechnologie” 2012 erreichte die Würzburger Absolventin Stephanie Haberkern, die von mir betreut worden war, den dritten Platz. Hervorragend! Groß war ihre Freude mit den weiteren Bestplatzierten – Tamara Seybold ist die Gewinnerin des ersten Preises, Judith Jakob erhielt den zweiten Preis. Über hundert Gäste aus Medien, Hochschulen und Verbänden waren bei der von MDR-Fernsehmoderatorin Anja Koebel charmant moderierten Preisverleihung am Freitag auf der IFA in Berlin mit dabei.
Am Sonntag, 2. September 2012, wird Sissi Pitzer vom BR-Medienmagazin über die IFA und auch über diesen Förderpreis berichten! Und – es gibt dort ein Interview mit der neuen Technikdirektorin des BR, Prof. Dr. Birgit Spanner-Ulmer. Hörenswert, auch als Podcast natürlich.

Bilder von der wirklich schönen Veranstaltung mit Stephanie Haberkern (im roten Kleid), Judith Jakob (im Hosenanzug) und Tamara Seybold (im lila Kleid) sind auf der Website des ARD-ZDF-Förderpreises zu finden:
Aktuelles _ ARD_ZDF Förderpreis

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ARD/ZDF Förderpreis – für”meine” Studentin

Am 31. August 2012 wird der ARD/ZDF Förderpreis “Frauen + Medientechnologie” auf der IFA in Berlin verliehen. Noch ist nicht bekannt, in welcher Rangfolge die drei Preise vergeben werden – aber eine meiner Studentinnen noch aus Würzburger Zeiten ist dabei! Das freut mich sehr!
Mit dieser Preisverleihung zeigen ARD und ZDF sowie deren gemeinsame “ARD.ZDF medienakademie” (die übrigens in Nürnberg Sitz hat), dass die Medienbranche auch im Bereich der technischen Kompetenz für Frauen interessant ist – und – auch – von Frauen medienzukunftsorientiert nach vorne gebracht wird. Also – aufgepasst, ich drücke die Daumen.

Ich darf hier die drei Besten – schon jetzt Gratulation! – benennen:
Stephanie Haberkern, Absolventin der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, schrieb eine Diplomarbeit zum Thema „Medienkonvergenz in der Deutschschweiz – das Pilotprojekt trimediale Kinderwelt von Schweizer Fernsehen und Schweizer Radio DRS” – hier war ich Betreuerin.
Judith Jakob verfasste eine Masterarbeit zu „Mathematische Restauration von stark zerstörtem Filmmaterial“ (Universität Saarbrücken), und Tamara Seybold erstellte eine Diplomarbeit über die „Implementierung einer stützstellenbasierten und skalierbaren 3D-Look-Up-Table im FPGA“ (Technische Universität München).

Das Verfahren ist in diesem Jahr neu – erstmals wurden zunächst die besten zehn, dann die besten drei Preisträgerinnen vorher bekannt gegeben – und auf der IFA erfährt man nun, wer den ersten, den zweiten und den dritten Platz belegt. Die Jury hatte keine leichte Aufgabe.
Es ist also spannend – am 31.8.12 abends wissen wir mehr.

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Ferien-/ Urlaubs-Lektüre

Wer jetzt ein wenig Urlaub machen kann, Ferien hat und in fernen Ländern oder zu Hause ausspannen wird, dem möchte ich heute ein wirklich schönes Buch ans Herz legen. Der Titel mag so manchen “Nicht-Bayern” abschrecken: “Bayern fürs Handgepäck”. Könnte man da die “Story” von Laptop und Lederhos´n erwarten?
Nein – zwischen den Buchdeckeln finden wir “ganz was Anderes”.
Das Taschenbuch erschien im Unionsverlag Zürich in diesem Jahr 2012, herausgegeben hat es meine Studienfreundin Bianca Stein-Steffan.
Aber das ist nur ein Grund, warum ich das Buch der Rosenheimerin empfehle. Denn inzwischen habe ich es auch gelesen, und es ist einfach nur schön, kurzweilig, nachdenkenswert, tief- und hintersinnig.
Es geht nämlich in diesem Buch nicht um dumpfbackige Klischées, es geht nicht um das, was Außerbajuwarische denken, wie die Bayern sein könnten. Nein – in dem Buch kommen Textpassagen zum Nachlesen von Klassikern und anderen, aus bekannten wie eher unbekannten Werken wird etwas klug herausgezupft für dieses Buch.
Oskar Maria Graf hat sich mit München (Fragezeichen) auseinander gesetzt. Hermann Kesten schildert ein “Wiedersehen mit Nürnberg”. Lena Christ schreibt über “Die Wallfahrt”. Emerenz Meier ist vertreten mit einer Sage aus dem Bayerischen Wald (ihr sind übrigens die Landshuter Literaturtage 2012 gewidmet). Gerhart Polt blickt auf sich selbst als “Der CSU-Sammler”.
Martin Schleske kommt mit einer Passage zu Wort, die aus seinem wunderbaren Buch stammt – hier ist er “Auf der Suche nach dem perfekten Klang” – und dass Martin Schleske, den ich auch gut kenne, ein wirklich begnadeter Geigenbauer ist, ist Kennern klar (und ich bin froh, dass wir damals sein Meisterstück retten konnten! Mehr sei hier nicht verraten). Goethe hat sich auf den Weg in den Süden aufgemacht, und etliche Autoren mehr finden hier mit vortrefflich ausgesuchten Beiträgen Eingang.
Das Buch nennt sich “Kulturkompass“, es ist ein “Wohlfühl-Buch”, in der Tat. Bianca Stein-Steffan hat sich nicht allein mit Altbayern beschäftigt, das ist gut so, und es ist geglückt. Auf nicht einmal 200 Seiten findet der Leser auch Bilder, gut ausgewählt, von FJS auf einer Briefmarke kann man sich ebenso “inspirieren” lassen wie von einer Knopflederhose oder einem Bierstern in Bamberg.
Chapeau! Rundum gelungen! Lesenswert! Und Liebenswert, ohne anbiedernd das Bayernland zu loben. Einfach schön.

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