FAQs

Ist Gabriele Goderbauer-Marchner eine Professorin ohne Praxis?

Sie hat dort gearbeitet, wo der Journalismus seine Wurzeln hat: im Lokalen an leitender Position

Wie ist Gabriele Goderbauer-Marchner in der Branche vernetzt?

Sie kennt die Player, in Bayern, Deutschland und Europa. Das hat mit dem MedienCampus Bayern zu tun und ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit der Staatskanzlei und EU-Koordinatoren

Kennt sich Gabriele Goderbauer-Marchner mit der Filmwelt aus?

Sie wirkte viele Jahre aktiv mit in den wichtigsten Gremien der Filmförderung, so bis Anfang 2011 im Vergabeausschuss des FFF Bayern; sie ist seit Jahren Jurymitglied des Bayerischen Fernsehpreises, des sog. Blauen Panthers.

Hat Gabriele Goderbauer-Marchner Kontakte zur Politik?

Durch die Mitarbeit im kommunalen Bereich, durch die Geschäftsführung des MedienCampus Bayern und durch die wissenschaftliche und journalistische Tätigkeit hat sie beste Kontakte zu Landes- und Bundespolitikern

Kennt sich Gabriele Goderbauer-Marchner in der Medienlandschaft aus?

Sie hat, was Zeitungen betrifft, einen sehr großen Erfahrungsschatz durch die praktische Redakteurstätigkeit. Sie verfügt über beste Kontakte zu den TV-Machern. Alle namhaften Radio-Anbieter kennt sie und hat mit ihnen als Geschäftsführerin des Dachverbandes für Medienaus- und -weiterbildung eng zusammen gearbeitet.

Wie hoch ist der Qualitätsanspruch von Gabriele Goderbauer-Marchner?

Sie hat sich seit Jahren für qualifizierte und hochwertige, praxisorientierte Aus-, Weiter- und Fortbildungsangebote eingesetzt. Sehr viele hat sie selbst organisiert, initiiert und inhaltlich vorangetrieben. Sie steht für Kompetenz, Seriosität und Qualität. Gerade dafür hat sie höchstes Ansehen bei ihren Studierenden.

Was qualifiziert Sie für die Position der Präsidentin der BLM?

Die BLM ist einer der wichtigsten Pfeiler des dualen Rundfunksystems in Bayern. Seit ihrer Gründung vor nunmehr über 25 Jahren leistet sie wertvolle Arbeit für den Medienstandort und für die Qualität des privaten Rundfunks. Dieses Erbe gilt es engagiert und sachkundig weiterzuführen und weiterzuentwickeln.

Aus meinem gesamten Berufsleben weiß ich, wie wichtig die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, zwischen Wissenschaft und Praxis ist. Als verantwortliche Journalistin und Medienmanagerin, als Medienwissenschaftlerin, als Medienausbilderin und auch durch mein langjähriges medienpolitisches Engagement habe ich die bayerische Medienlandschaft aus dem Effeff kennengelernt, konnte die Branche fachlich vernetzen und innovative Medienprojekt auf den Weg bringen. Diese breitgefächerte Erfahrung möchte ich einbringen, um die BLM zusammen mit ihren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem Medienrat, der Staatsregierung, den medienpolitischen Vereinen und Verbänden in Bayern und nicht zuletzt mit den Medien selbst fit zu machen für die Herausforderungen der Zukunft.

Wie sehen Sie die Zukunft der privaten elektronischen Medien?

Der private Rundfunk ist gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wesentlich freier in seiner Gestaltung und kann dadurch viel schneller auf Trends reagieren. Wenn die Verantwortlichen in den regionalen wie überregionalen Medienhäusern diesen Geschwindigkeits- und Innovationsvorsprung konsequent nutzen, werden sie sich auch in einer durchgehend digitalisierten Welt erfolgreich behaupten. Das Thema Crossmedialität wird eine noch wichtigere Rolle als bisher spielen. Neben dem Internet, das für viele Häuser schon heute zu einer wichtigen Quelle der Vernetzung geworden ist – weg vom klassischen Sender-Empfänger-Prinzip, hin zur Community – werden mobile Dienste schon in naher Zukunft Standard sein. Was vor fünf Jahren gepriesen wurde, wird nun endlich wahr: Radio und Fernsehen werden unabhängig von Raum und Zeit.

Wie steht es um die Kontrolle des Internets?

Die Medienaufsicht im Internet ist naturgemäß wesentlich problembehafteter als bei anderen Mediengattungen, denn die Erfolgsfaktoren des WWW sind  ja gerade dessen Dezentralität und die geringen technischen Hürden, um Informationen in Sekundenschnelle weltweit verbreiten zu können. Bindend sind hier das Telemediengesetz und der Rundfunkstaatsvertrag, offizielle Aufsichtsbehörde für das Internet ist in Bayern die Regierung von Mittelfranken.

Die Medienaufsicht kommt ins Spiel, sobald der Jugendschutz betroffen ist. Die bei der BLM angesiedelte Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) ist zentrale Aufsichtsstelle für den Jugendmedienschutz im Internet, Teletext und anderen Telemedien, und sie nimmt diesen Auftrag sehr ernst. Natürlich kann die beste Institution nicht das gesamte Internet überwachen, aber sie ist überall dort schlagkräftig, wo in Deutschland gegen das geltende Recht verstoßen wird. Das Engagement auf diesem Gebiet gilt es zu stärken und auszubauen, denn Onlinemedien nehmen einen immer wichtigeren Stellenwert im Medienmix ein.

Was wird auf die TV-Zuschauer alles zukommen?

Bewusst greift die Programmaufsicht nicht in das Tagesgeschäft der Sender ein und lässt den Medien größtmögliche Freiheit bei der Programmgestaltung. Nicht umsonst ist die Pressefreiheit bereits in Artikel 5 unseres Grundgesetzes verankert, hat die Unabhängigkeit der Medien höchste Priorität. Über Geschmack lässt sich (nicht) streiten, und so wird die Medienaufsicht auch künftig nicht bestimmen, ob das RTL-Dschungelcamp nun bereichernd für die Programmvielfalt in Deutschland ist oder nicht.

Überall dort aber, wo gesetzliche Bestimmungen existieren, muss sehr genau geprüft werden:  Ist die journalistische Qualität gewahrt? Gibt es, wo gefordert, genügend Platz für lokale Berichterstattung? Entspricht die Ausrichtung eines Fernseh- oder Radioprogramms noch den Bedingungen bei der Lizensierung? Wird genügend Augenmerk auf eine qualitative Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter gelegt? Dies sind originäre Aufgaben, die helfen, dass der private Rundfunk in Deutschland weiterhin zum Besten gehört, was weltweit über den Äther geschickt wird.

Welche spezielle Rolle kann Bayern in Sachen Privat-Medien in Zukunft spielen?

Bayern nimmt unter den Standorten für den privaten Rundfunk die unumstrittene Spitzenstellung ein – zurecht. International anerkannte Medienzentren wie vor den Toren Münchens in Unterföhring und Ismaning, aber auch kleinere Medienstandorte in Franken und Schwaben, in Niederbayern und in der Oberpfalz zeigen, dass sich eine zukunftsgerichtete Medienpolitik lohnt. Die BLM arbeitet sehr partnerschaftlich mit den hier ansässigen Medienmachern zusammen und vernetzt die Branche, etwa bei den jährlichen Lokalrundfunktagen in Nürnberg oder auf den Medientagen München. Diese Arbeit gilt es fortzuführen und zu intensivieren, damit es weiterhin heißt: Bayern ist und bleibt Medienstandort Nr. 1 in Deutschland!

Wie können die Medienstandorte in Bayern gesichert und ausgebaut werden?

Noch vor wenigen Jahren war die Medienwelt übersichtlich: Hier die Printmedien, dort der Hörfunk, hier das Fernsehen, dort die Onlinemedien. Heute sind diese Sparten längst zusammengewachsen zu Medienhäusern mit umfassenden Kompetenzen. Diversifizierung zahlt sich aus, denn der Zuhörer/Zuschauer von heute stellt höhere Ansprüche an die Verfügbarkeit seines Wunschprogramms. Diesen Trend gilt es zusammen mit den Medienmanagern im Freistaat weiter voranzugehen.

Möglichkeiten der Unterstützung gibt es viele: angefangen bei der Förderung innovativer Aus- und Fortbildung, etwa im Bereich des crossmedialen Journalismus oder beim Boom-Thema „Social Media“, über die Vernetzung innerhalb der Branche bis hin zu Pilotprojekten bei der Einführung innovativer Technologien. Die Programme sollten nah an der Praxis orientiert sein und, wo sinnvoll, fundiert wissenschaftlich begleitet werden, um größtmöglichen Erfolg zu ermöglichen. Die BLM bietet die richtige Infrastruktur, um diesen Aufgaben gerecht werden zu können.


Gabriele Goderbauer-Marchner über …

Medienmarkt

Auf dem Medienmarkt findet ein Kampf um Aufmerksamkeit, Einfluss und Geld statt. Wer wird überleben, wer wird auf der Strecke bleiben? Welchen Einfluss kann und soll die Landesmedienanstalt ausüben?

Das duale System aus öffentlich-rechtlichen und privatwirtschaftlichen Anbietern hat sich grundsätzlich bewährt und muss weiterentwickelt werden. Dazu kann die Landesmedienanstalt beitragen. Die durch Gebühren privilegierten öffentlich-rechtlichen Anbieter  sollten sich auf ihren gesetzlichen Programmauftrag besinnen und den privaten Anbietern nicht die Marktchancen einschränken. Den privaten Sendern müssen Grenzen auferlegt werden, derart, dass nicht alles was Zuschauer und damit Geld bringt gesendet werden kann.

Digitalisierung

Was ist heute Rundfunk und v.a. Fernsehen?

Die Definition ist schon heute schwierig. Die Grenzen zwischen Internet, Radio und Fernsehen werden weiter verschwinden. Dabei ist es keine Frage, ob die Gesellschaft ihre mediale Kommunikation auch in der digitalisierten Welt Regeln unterwerfen soll und kann; wir müssen dafür kämpfen, dass Jugendschutz, Minderheitenschutz und die gerechte Teilhabe an den Kommunikationsmöglichkeiten gewährleistet sind.

Digitales Fernsehen

Die Digitalisierung des Fernsehbildes ermöglicht es, mehr Programme über das Kabel, den Satelliten oder die Antenne zu senden als bisher, es steht insgesamt mehr Bandbreite zur Verfügung. Die digitalisierten Daten müssen durch einen Digitalreceiver, der sogenannten Set-Top-Box, entschlüsselt und in analoge Signale umgewandelt werden. (Standards: DVB – Digital Video Broadcasting). Ab 2012 sollen alle Fernsehprogramme nur noch digital ausgestrahlt werden.

Technik

Rasante technische Entwicklung und ihr Einfluss auf die Inhalte …

Die Landesmedienanstalten behandeln auch Fragen der Zugangsfreiheit zu den technischen Plattformen. (Multiplexing, Zugangskontrolle, MHP Multimedia Home Platform, Set-Top-Boxen) und Programm-Plattformen (Zusammenstellung und Bündelung von Programmen, Electronic Programme Guide/Navigation, Vermarktung). Eine der zentralen Aufgaben der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) ist es, einheitliche Standards im technischen Bereich durchzusetzen.

Öffentliche-rechtliche und private Anbieter im Internet

Der neue Rundfunkänderungsstaatsvertrag wird sehr kontrovers diskutiert. Was ist Ihre Meinung dazu?

Der Kompromiss, der die kommerziellen Angebote des öffentlich-rechtlichen  Rundfunks festlegt macht Sinn.  ARD, ZDF und Deutschlandradio dürfen nur noch sendungsbezogene Internet-Inhalte anbieten. Töne, Texte und Bilder, die nicht sendungsbezogen sind, du¨rfen nur dann öffentlich-rechtlich im World Wide Web angeboten werden, wenn sie zuvor durch den so genannten Drei-Stufen-Test genehmigt worden sind.

Medienkonvergenz und das Universalmedium Internet

Die Märkte Print und TV, Inhalte und Werbung, Massen- und Individualkommunikation waren früher relativ klar voneinander getrennt, heute ist im Internet alles gleichzeitig möglich. Es ist dezentral und dynamisch, Langzeitgedächtnis – große Freiräume für die privaten Anbieter?  Weitere Auseinandersetzungen scheinen unausweichlich. Konfliktlösungsmöglichkeiten als Aufgabe der Medienpolitik?

Qualität (im Internet)

Was häufig gefragt und schnell reproduzierbar ist, steht hoch im Kurs; was komplex ist,  besitzt meist einen geringen Marktwert. Zeit und Ökonomie – zwei Faktoren, die dem Medienmarkt eine neue eigene Dynamik geben. Auch der klassische Journalismus hat sich durch das Internet mit seinen Suchmaschinen unter Internet-Nachschlagewerken, wie Wikipedia, verändert.  Fehlerquellen erfordern Sorgfalt in der Auswertung, Vielzahl der Informationen erfordern Analyse und Auswahl.

Medienkompetenz

Förderung der Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen, damit sie lernen, mit den Medien und ihren Inhalten verantwortlich und kritisch um zu gehen, sehe ich parallel zu den Jugendschutzmaßnahmen als den bedeutenden präventiven Beitrag zum Jugendmedienschutz.

Jugendmedienschutz

Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) regelt für Rundfunk und Telemedien (Internet, Teletext), welche Medieninhalte wann und wie gesendet bzw. angeboten werden dürfen. Die Eigenverantwortung der Anbieter soll gestärkt und die Möglichkeiten der Kontrolle wie Sendeverbote, zeitliche Ausstrahlungsbegrenzungen, Zugangsbeschränkungen für Kinder und Jugendliche sollen verbessert werden. (KJM)

Bürgermedien

Seit 1984 hat sich in Deutschland eine Vielfalt von Bürgerfernsehen und freien Radios entwickelt: Freie Radios, Campusradios, Ausbildungskanäle mit lokaler und regionaler Verbreitung. Alle interessierten Bürger können eigene Erfahrungen mit der Produktion von Programmen machen. Die Bürgermedien leisten somit einen praxisbezogenen Beitrag zur Förderung der Medienkompetenz  -  insbesondere was den Einsatz von Technik und den Umgang mit Sprache und Bildern betrifft.

Werbung und Werbefinanzierung

Den privaten Hörfunk- und Fernsehsendern stehen nur die Werbeeinnahmen zur Verfügung, keine Rundfunkgebühren.  Die Absicht der privaten Rundfunkunter¬nehmen sich vom konjunkturanfälligen Werbegeschäft unabhängiger zu machen, ist bisher nur in Ansätzen gelungen. Es fehlen weiterhin auch attraktive Erlösformen  für die Finanzierung neuer digitaler Angebote. Bisher gibt es kein Geschäftsmodell, das den privaten Sendern nennenswerte Erlöse aus crossmedialen Angeboten ermöglicht.

Vielfaltsicherung

Weiterentwicklung der Maßnahmen zur Sicherung der Meinungsvielfalt im privaten Rundfunk. Medienvielfalt oder immer mehr vom Gleichen?

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