BR-Klassik auf UKW – Petition des Bayerischen Musikrates

Wie hier berichtet, gibt es breite Verstimmung in der Bevölkerung über die Absicht des Bayerischen Rundfunks, das bei einer sehr genau festzustellenden Zielgruppe sehr beliebte BR Klassik digital über DAB+ zu verbreiten – und UKW abzuschalten. Nach vielen Protesten, die auch von vielen Medien verbreitet wurden, hat nun der Bayerische Musikrat eine Aktion gestartet. Er ruf zur Unterzeichnung einer Petition auf – die Bürger sollten sich hier einbringen.
Die Petition hat den Titel “BR-Klassik muss bleiben!” Auch wenn die Abschaltung auf UKW erst für 2016 geplant sein soll – die Freunde von BR-Klassik müssen sich jetzt zu Wort melden, damit bei dem öffentlich-rechtlichen Sender BR die Weichen anders gestellt werden können.

Hier der Link:

http://www.bayerischer-musikrat.de/Pressemitteilungen-c827/Aufruf-zur-Unterzeichnung-der-Petition-BR-Klassik-muss-bleiben-e1142260.php

Der Bayerische Musikrat ist übrigens nach eigenen Angaben die größte Kulturorganisation im Freistaat Bayern und repräsentiert eine Million Bürger in den Bereichen Laienmusizieren und professionelle Musik. Präsident ist kein geringerer als Dr. Thomas Goppel, MdL, langjähriger und hoch angesehener Bayerischer Wissenschaftsminister, Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel (1962 bis 1978). Thomas Goppel ist ein kluger Kopf – wir hatten öfter miteinander beruflich zu tun – und er ist sicher kein “altmodischer” – es geht ihm v.a. auch um die Zielgruppe von BR-Klassik, die bei einer technischen Veränderung den Weg zu DAB+ nicht mitgehen werde.
Ab 1. Mai 2014 hat der BR übrigens einen neuen Hörfunkdirektor. Martin Wagner hatte nach Jahren in den USA nun das BR-Frankenstudio exzellent geleitet; im Rahmen der damals von mir initiierten Würzburger Mediengespräche hatte er über seine Zeit als Korrespondent im Ausland profund berichtet.
Martin Wagner, den ich persönlich und fachlich sehr schätze, hat auf der BR-Webseite zwar für DAB+ gesprochen, dennoch – und das ist sehr gut – angekündigt, dass der BR alle Argumente zu der bevorstehenden Entscheidung sogfältig und differenziert, wie er schreibt, darlegen werde.
Das Argument, dass bislang schon in Bayern eine Million Bürger Digital-Radios gekauft hätten, bringt der BR vor. Aber – ist nicht auch zu bedenken, dass Bayern zwölfmal so viel Bürger hat? Insgesamt 12,5 Millionen Einwohner. Diese leben in Gemeinden und Städten. An größeren Städten hat Bayern neben München noch Nürnberg oder Augsburg – und ein paar Städte, die immerhin über 100.000 Einwohner haben. Es wäre zu prüfen, ob die Klassik-Fans den Weg in die moderne Technik, den die Jugend flott und gewillt einschlägt, auch so rasch mitgehen.

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2 Responses to BR-Klassik auf UKW – Petition des Bayerischen Musikrates

  1. Bernd Schweinar says:

    Klassik-Kämpfer oder Klassenkämpfer?
    Wider die BR-Klassik-Petition und für das Jugendradio PULS auf UKW

    Ist qualitativ hochwertige klassische Musik den Klassikfans nichts wert? Wollen Klassikfans die überschaubaren Kosten für die Erneuerung von technischem Equipment zu Lasten der Mehrzahl einer jungen Generation und deren Musikkultur auf deren weniger gutsituierten Schultern abwälzen? Warum wird hier mit einer Petition ein ökonomisches Problem fundamentalisiert? Ist das Technikverweigerung, einer seit jeher besser geförderten Hochkulturklientel, anstelle von Fairness und musikalischer Kollegialität gegenüber einer gesellschaftlich ebenfalls relevanten Jugendkultur?

    Bayerische Nachwuchskünstler brauchen ein Jugendradio das nicht in eine Kosten verursachende Nische abgeschoben ist. Bayern braucht PULS auf UKW! Bayerische Popkulturtalente bei Privatradios, das funktioniert nicht! Das zeigt meine langjährige Förderpraxis und ich könnte Bücher schreiben, wo ich im Privatfunk überall auf Granit gebissen habe, um bayerischen Talenten zu Plattformen zu verhelfen.

    Der Bayerische Musikrat tituliert in seiner Petition Jugendliche als „digital natives“ und suggeriert, dass diese quasi in einer kostenlosen Internetwelt omnipräsent seien. Mitnichten! Wo lebt der Musikrat? Wo informiert sich der Musikrat sachlich ausgewogen und fachlich verantwortungsvoll? Jugendliche müssen für einen mobilen Datenempfang von PULS via Internet auf ihrem Handy für die Datenrate erhebliche Kosten bezahlen – monatlich wiederkehrend! Als Vater von drei Kindern weiß ich, um welche Beträge es geht. Beim Musikrat hat man doch sicherlich auch Kinder oder Enkelkinder, die man hätte fragen können, wenn man schon seine eigenen Popkultur-Fachverbände nicht vorher zur Stellungnahme einlädt?

    Die Petition trägt den Titel „BR-Klassik muss bleiben“. Auch das suggeriert eine Dramatik, die mit sachlicher Information nichts am Hut hat. Fast hat es den Anschein, Klassik-Kämpfer werden hier zu Klassenkämpfern. Fakt ist und bleibt: BR-Klassik wird nicht abgeschaltet! BR-Klassik ist ohnehin bereits über DAB empfangbar – mit einem wesentlich besseren Hörgenuss! Mit „sehr gut“ getestete DAB-Autoradios gibt es schon ab rund 120 €. DAB-Adapter, DAB-Antenne oder Zusatzboxen für vorhandene Autoradios sind nicht viel teurer. Auch DAB-Stereoanlagen für weniger betuchte Klassikhörer sind für 150 bis 200 € in guter Qualität erhältlich. Wo liegt das Problem?

    Wie groß ist die Verbundenheit der Klassik-Fans zu ihrer Musik, wenn ihnen eine Qualitätssteigerung keine rund 150 € an Einmalkosten wert ist? Wo bleibt die Solidarität gegenüber der Jugendkultur? Mit einer roten Feinstaubplakette am PKW kommt man auch nicht mehr in Innenstädte. Sind diese seither autofrei? Die Masse ist träge! Innovation tut sich kaum jemand freiwillig an – im Geldbeutel wie scheinbar auch im Kopf.

    Viele derjenigen, die jetzt diese Petition befeuern, haben sich in all den letzten Jahren nicht mit der Förderung und Unterstützung von Popkultur aufgedrängt oder in den Vordergrund gespielt. Im Gegenteil: Popkultur wird erneut – leichtfertig oder bewusst? – an den Rand gedrängt! Popkulturförderung wird seit Jahren klein gehalten oder nicht gleichgewichtig unterstützt! Popkultur wird als Konkurrenz gesehen und dient ab und an als billiges Argument, um den Nachwuchsmangel bei verschiedenen anderen Musiksparten schönzureden!

    Bernd Schweinar
    Bayerischer Rockintendant
    Geschäftsführer Verband für Popkultur in Bayern e.V./Rock.Büro SÜD
    Vorstandsmitglied Bundesverband Popularmusik e.V.
    Vorstandsmitglied LIVEKOMM – Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V.

  2. Schad Antonie says:

    Wir hören regelmäßig BR-Klassik im Auto und wir sind immer wieder begeistert.
    Darum muß “BR-Klassik bleiben” und nicht alles was die ältere Generation liebt,
    muß verschwinden.

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