Was ist da los mit BR Klassik?

Es gibt Leute, die hören nie Klassik. Es soll aber auch Leute geben, die keine Bücher mehr haben. Daher – die Frage, ob eine Kulturwelle wie BR Klassik “noch” gebraucht wird, erübrigt sich. Dass dies derzeit noch über die gute alte UKW funktioniert, ist o.k., dass die “Modernisierer” nun hier DAB+ fördern wollen, geht an einem großen Teil der Zielgruppe meines Erachtens vorbei.
Zum einen ist ein Digitalradiogerät erforderlich. Zum andern wäre der – neue – Empfang nach geplanter Änderung auch über ein Handy, ein Smartphone, möglich. Mobil. Und daheim hätte man Kabel oder Satellitenschüssel.
Warum plant der BR dies? Weil er eine seiner terrestrischen Programme der Jugend, der Jugendwelle geben will.
Unabhängig davon, dass das nun wieder den Privaten Lokalsendern nicht gefällt, die Frage ist, welche Zielgruppe man hier vergrault.
Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks hat Ende Januar 2014 beschlossen zu prüfen. Eine Prüfung ist immer gut. Da kommen meist gut bezahlte Gutachter ins Spiel.
In Zeiten, wo die Menschen über die sog. Rundfunkbeiträge, die “Haushaltsabgabe”, diskutieren, die nur die öffentlich-rechtlichen, nicht aber die privaten Sender erhalten, in Zeiten, wo die Grundversorgung immer wieder angemahnt wird, könnte der BR die Zielgruppe verprellen, die vielleicht noch am wenigsten über die Pflichtbeiträge meckert.
Die älteren Menschen hören – mehr als die jüngeren (leider, aber das ist so) – BR Klassik. Die älteren Menschen sind auf dem Weg, als neudeutsch “silver surfer” die Medienkompetenz auch für das Internet zu erwerben (und das zum Teil hervorragend), aber: Sie sind nicht die “Online-Junkies”, die jedes technikflotte Neumodell erwerben. Sie haben vielleicht ein Handy, weil damit telefoniert werden kann, während junge Leute zwar wissen, dass man mit einem Handy telefonieren kann, dies aber zu völlig anderen Zwecken nutzen. Die Älteren haben vielleicht ein mobiles Endgerät länger als zwei Jahre – und sind damit mit möglicherweise langsamer Technik “unterwegs”.

Lorenz Wolf ist der neue Vorsitzende des Rundfunkrates. Er – Leiter des Katholischen Büros Bayerns – möge reflektieren, was die Veränderung bei BR Klassik für die Bürger, die überhaupt noch BR Klassik wollen, bedeutet. Er möge die jetzt eingeforderten Gutachten – sie sollen in ca. 6 Wochen fertig gestellt sein – nicht beeinflussen, aber die allseits bekannte Agentur auch offen informieren: Es geht nicht allein um einen Technik-Hype, den der BR mitmachen kann. Es geht um das Erkennen, wo man etwas verändern soll und muss, und um die Einsicht, was auch über die Jahre bleiben darf.

Im Rundfunkrat sitzen gute Leute. 47 an der Zahl. Werfen wir nur auf einige einen Blick: Der Chef der Bayerischen Staatstheater, Nikolaus Bachler, hätte es doch auch lieber, die Leute kämen in die Theater, als säßen sie nur daheim am PC. Albin Dannhäuser, der für die Lehrerverbände steht, steht für Schule – und nicht allein für E-Learning. Peter Driessen, für die Industrie- und Handelskammern im Gremium, hat sicher im Interesse seiner Branchen kein Verständnis, wenn alle Welt nur noch bei Amazon bestellt. Der frühere bayerische Minister Dr. Thomas Goppel, ein kluger Mann, jetzt für die Musik-Organisationen im Rundfunkrat, müsste doch die Belange der Klassik-Hörer verteidigen. Appellieren kann man auch an Günther Lommer, der für den Bayerischen Landes-Sportverband wirkt. Andreas Scherer, engagiert für den Bayerischen Zeitungsverlegerverband, setzt auch weiter auf gedruckte Zeitungen – neben Online. Viele Politiker befinden sich in dem Rundfunkrat.
An sie alle sei appelliert, Vernunft walten zu lassen. Und keinen unnötigen “Krieg” mit den Privaten zu starten. Denn: Die wahren Konkurrenten sind doch längst woanders zu finden, bei Google und Co. Der Jugend eine UKW-Welle zu geben, die diese am Ende gar nicht will, bedeutet, treue Hörer zu verprellen und noch mehr Kritiker auf sich zu ziehen.

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