Social Media und Qualitätszeitungen

Es ist eigenartig, wie schnell sich Kommunikation verändert. Medienkommunikation. Ich schlage morgens die Zeitung auf – und weiß fast alles schon seit gestern, eben so lange es die Redakteure und Redakteurinnen auch schon wussten, bevor die Zeitung in Druck ging. Die großen Infos haben wir aus TV und Radio, aus Online, und dort eben nicht nur über die Webseiten der Medienhäuser, sondern über die sozialen Netzwerke.
Noch vor kurzem galt dies vor allem für die Themen von überregionaler Bedeutung. Was tat sich in Deutschland, in Europa, in der Welt? Heute gilt dies auch für die regionalen und lokalen Themen. Wer seine “Freunde” und “Follows” “gut” im Sinne von informativ zusammen stellt, ist gut aufgestellt. Man erfährt eine ganze Menge, sogar Dinge, die gar nicht in den klassischen Medien vorkommen, weil diese a) das Thema für zu unwichtig erachten oder b) zu wenig Platz haben auf ihren Seiten und Sendeplätzen oder c) die Geschichte einfach nicht bringen, vielleicht gar unterdrücken wollen.
Die Lokalmedien müssen sich unter diesem Druck des Internets und der dort kommunizierenden Individuen, die sich nicht als “anonyme Massenmedien-Konsumenten” verstehen (wollen), verändern. Da hilft es nicht, wenn seitenweise ein Konzert nach dem anderen abgenudelt wird, wenn die Zielgruppe Jugend/ junge Leute die Zeitung gar nicht in die Hand nimmt; wenn diese von ihren Deutschlehrkräften schon so qualitativ geprägt ist, mehr über die Rechtschreibfehler als über die Inhalte in der Zeitung zu reden, mehr über Manipulationen, Nichtgesagtes oder falsche Bildzuweisungen.
Wenn Zeitung nicht ein Produkt für wenige werden will, müssen ihre Macher umdenken. Sie brauchen Qualität, nicht Rotstift. Sie brauchen gut ausgebildete Leute, nicht Quereinsteiger. Denn heute gibt es sehr wohl exzellente Aus- und Weiterbildung. Die zum Teil etwas kostet, aber das Geld ist gut angelegt.
Bei allem Pessimismus – es gibt sie noch, die guten, gut gemachten, klug geschriebenen und pfiffig umbrochenen Zeitungen. Selbst die NZZ, eigentlich sehr zurückhaltend, hat exzellente Grafiken und Bilder. Die SZ punktet mit hervorragenden Reportagen und Hintergrundgeschichten.
Zeitung – sie muss uns in der gigantischen Masse der Informationsflut (das Wort “Tsunami” mag ich in dem Kontext nicht verwenden, es ist ein zu trauriger Begriff für so viel Leid) ein Wegbegleiter sein, ein Navigator parallel zu all dem, was wir auf unterschiedlichen Plattformen selbst – mehr oder weniger zufällig – konsumieren. Und – Lichtblick – wenn man “digital natives” auf herausragende Printerzeugnisse hinstupst, haben diese sehr wohl Gefallen, Freude – und geben für guten “Content” auch Geld aus. Qualität darf eben etwas kosten. Wie bei den Apps.

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