Herausforderungen für die BLM in der Kommunikationsrevolution

Ich möchte die BLM als Präsidentin in der aktuell zu beobachtenden Kommunikationsrevolution auf der Höhe der Zeit halten: technisch, gesellschaftspolitisch, organisatorisch. Die Vielfalt im Medienrat und die anerkannt hohe Kompetenz der BLM sind dafür die entscheidende Grundlage.

1.
Ein besonderes Anliegen ist mir die Förderung der Medienkompetenz. Wichtig ist dabei m.E., darüber nachzudenken, wie wir alle „fit“ machen können für alle medialen Plattformen. Das beinhaltet auch, die Menschen zu sensibilisieren für die Gefahren, die das Internet mit sich bringt. Angesprochen sind hier nicht nur Manipulationspotentiale, sondern auch Gefahren für die Privatheit. „Zielgruppe“ sind hier alle, die Kinder und Jugendlichen, die Generation bis 49 Jahre, die für die Werbung immer noch am attraktivsten ist, aber auch die sog. Silver-Surfer, die ältere Generation. Ein besonderes Augenmerk sollten wir auf die Eltern richten, die oft überfordert und ratlos sind. Ihnen Hilfestellung zu geben, ist eine besonders dringliche Aufgabe. Der Transfer der neuesten Erkenntnisse aus der Wissenschaft ist hier besonders wichtig. Ich bin der Ansicht, dass wir dabei die enge Partnerschaft mit den Jugendschutzbehörden und Kultusministerien pflegen sollten.

Medienkompetenz ist und muss das Zauberwort der Jetztzeit und der Zukunft sein. Jeder Mediennutzer muss aus eigener Kompetenz – kritisch, bewusst und  vorbereitet – erkennen, wenn ihn Medien (auch die alten, die klassischen wie Zeitung oder Radio), manipulieren wollen. Jeder Mediennutzer muss aus eigener Kompetenz – und auch hier muss durch Information, Seminare, Gespräche, Aufklärung viel geleistet werden – erkennen, was in den Medien gut, was schlecht, was Qualität, was einfach nur „Müll“ ist. Das leitet über zu meinem zweiten Punkt.

2.
Die Mediennutzer haben ein Anrecht auf Qualität im Fernsehen, das von der einen Gesellschaftsgruppe immer noch per TV-Gerät, von vielen, gerade den Jüngeren, aber online geschaut wird. Über Formate wie Dschungelcamp etc. kann trefflich diskutiert werden – die Quote ist keineswegs Gratmesser für Qualität. Der Trashkultur, die das private Fernsehen hervorgebracht hat, gilt es wirksam zu entgegnen.

Die Mediennutzer haben auch ein Anrecht auf Qualität im Internet.

Ich habe als Journalistin, bei der Ausbildung von Redakteurinnen und Redakteuren und Fernseh- und Radiotätigen und bei meiner wissenschaftlichen Arbeit stets auf Qualität geachtet. Das ist der entscheidende Maßstab bei allen Berichten, Features, Filmen und Beiträgen. Ich will hier meine spezielle Kompetenz und Erfahrung gut in die Arbeit der BLM einbringen.

Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf die Frage legen, ob von den Nutzern durch kostenpflichtige Anrufe finanzierte „Quizsender“ auch künftig genehmigt werden sollten. Auch insofern sollten die Qualitätsanforderungen der wichtigste Gradmesser für die BLM sein. Das Wörtchen „Mitmachfernsehen“ gaukelt oft Interaktivität vor, obwohl es nur um ein mehr oder minder dümmliches Mitmachquiz geht. Dem TV-Zuschauer, der „mitmachen“ will an einem Quiz, wird via Telefonanruf Geld abgenommen … ist das Qualität? Werden hier Kinder und Jugendliche „geschützt“, „fit gemacht“ für ihren Medienkonsum?

Ich möchte gerne mit den Medienräten konstruktiv und offen zusammen arbeiten – auch und gerade bei diesem wichtigen Thema. Für Qualität in den Medien. Das ist die entscheidende Zukunftsaufgabe!

3.
Von hoher Aktualität ist nach wie vor auch die Frage einer Regulierung des Internets. Bei dieser soll nicht das große demokratische Potential dieses neuen Mediums verkannt werden. Andererseits gilt es auch hier wiederum die Menschen zu schützen. Von daher ist es sicherlich nicht falsch, darüber nachzudenken, ob der beim klassischen Rundfunk/Fernsehen allgemein akzeptierte rechtliche Rahmen auch bei entsprechenden Angeboten im Internet wirksam werden muss. Da denke ich an gewaltverherrlichende Darstellungen ebenso wie an Pornografie. Wir müssen die rechtlichen Möglichkeiten konsequent nutzen. Dabei ist es wichtig, mit den Betreibern im Netz im ständigen Kontakt zu sein.

Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner

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3 Responses to Herausforderungen für die BLM in der Kommunikationsrevolution

  1. Pingback: Die Posse um die BLM – Teil 3 | Under Skull and Bones

  2. Alvar Freude says:

    Sehr geehrte Frau Goderbauer-Marchner,

    Sie schreiben, dass der im Rundfunk akzeptierte rechtliche Rahmen auch bei entsprechenden Angeboten im Internet gelten sollte. Dies ist aber schon heute so: wer im Inland entsprechende Inhalte verbreitet, kann sanktioniert werden.

    Welche neuen oder erweiterten Regelungen stellen Sie sich vor?

    Grüße
    Alvar Freude

  3. Gabriele Goderbauer-Marchner says:

    Ja, Sie haben Recht, es ist schon viel getan, aber – auch wenn es abgedroschen klingen mag, wir müssen die Medienkompetenz stärken. Verbote allein, Regulierung allein ist nicht ausreichend. Wir müssen, auch dies mag abgedroschen klingen, eine Wertediskussion entfachen. Und – wir müssen viele Kommunikationspartner finden. Die Zukunft kann nicht hinter verschlossenen Türen “geregelt” werden.
    Ich stehe für Transparenz – und für Kommunikation, ich freue mich über jeden Dialog, jedes Gespräch, jede Anregung.

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