Medienerziehung – wichtig ist, DASS etwas geschieht

Kräftig wird bis heute diskutiert, ob es in Bayern – und sicher auch in anderen Bundesländern – an den Schulen ein Fach geben sollte, das den Namen Medienkunde oder Medienerziehung trägt. Die Frage ist, ob dieses Fach integriert werden soll in bestehende Fächer, oder ob dieses Thema separat und damit parallel zu bestehenden Fächern unterrichtet werden soll. Beide Varianten haben etwas für sich.
Wichtig ist, dass etwas geschieht. Medienkompetenz ist zwar in aller Munde, aber die Theorie und die Praxis klaffen doch weit auseinander. Das müsste nicht sein.
Bereits im Herbst 2007 gab es auf den Medientagen München eine Pressekonferenz, auf der die Bayerische Staatskanzlei, vertreten durch den damaligen Minister Eberhard Sinner, der Bayerische Journalisten-Verband BJV, vertreten durch den Vorsitzenden Dr. Wolfgang Stöckel, und der MedienCampus Bayern (ich war da lange Geschäftsführerin), Dachverband für Medienaus- und -weiterbildung in Bayern, im Beisein des damaligen BLM-Präsidenten Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring einen ersten Ansatz zu Medienerziehung installieren wollten.
Bei diesem Projekt sollten und wollten BJV und MCB die Schulen im Rahmen der neuen gymnasialen Oberstufe bei der Intensivierung der Medienerziehung unterstützen. In den neu entwickelten Projektseminaren sollten sich – der BJV hat immerhin ca. 9.000 Mitglieder – ausgebildete Journalisten mit ihrem Fachwissen einbringen. Schülerinnen und Schüler hätten die Gelegenheit gehabt, mit externen Partnern Projekte selbstständig zu planen und umzusetzen. Ziel: Medienerziehung, aber auch Studien- und Berufsorientierung durch die Medienprojekte, Schärfung und Schulung von Qualitätsbewusstsein für Medienerzeugnisse.
Was wäre notwendig gewesen? Finanzielle Unterstützung von Seiten des Staates, nicht in riesigen Dimensionen, denn die Journalisten aus den Reihen des BJV hätten sich gegen ein kleines Honorar eingebracht. Motiviert. Fachlich bestens aufgestellt. Hoch professionell.
Was ist geschehen? Nichts. Oder – fast nichts. Die Geschichte über dieses Medienprojekt bleibt eine Geschichte im Konjunktiv.
Gewiss: Hie und da laufen P-Seminare mit journalistischer Begleitung. Aber: Es sind Ausnahme-Seminare, der BJV als Organisation ist in Gänze nicht eingebunden; es ist alles eine Sache von persönlichem Kontakt, wenn vor Ort ein Medienprojekt umgesetzt wird. Stringent ist das nicht. Es scheiterte am Geld.
Medienkompetenz ist derzeit ein punktuelles “Geschäft”. Das ist zu wenig. Gerade heute, im Jahr 2012, ist auch vo größten Skeptikern festzustellen, dass die Multimedialität, die Mediendominanz und Online-Themen wie Datensicherheit und Datensicherung, Themen wie Vorratsspeicherung und Umgang mit “social media” einen Teil des Lebens prägen, ja mitbestimmen – medienkompetent aber sind nicht alle.
Bedauerlich. Jetzt treten neue Kräfte auf den Plan, die diese Themen und Fragen, teils sehr sehr liberal besetzen.

Wolfgang Stöckel, Gabriele Goderbauer-Marchner , Wolf-Dieter Ring und Eberhard Sinner auf den Medientagen München 2007,

Die “alten” Kräfte haben hier etwas versäumt.
Ab und an könnte der Staat agieren, nicht nur reagieren. In diesem Fall wäre Aktion möglich gewesen. So wird es sicher – die nächsten Wahlen im Auge – ein Reagieren. Wetten?

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Social Media und Qualitätszeitungen

Es ist eigenartig, wie schnell sich Kommunikation verändert. Medienkommunikation. Ich schlage morgens die Zeitung auf – und weiß fast alles schon seit gestern, eben so lange es die Redakteure und Redakteurinnen auch schon wussten, bevor die Zeitung in Druck ging. Die großen Infos haben wir aus TV und Radio, aus Online, und dort eben nicht nur über die Webseiten der Medienhäuser, sondern über die sozialen Netzwerke.
Noch vor kurzem galt dies vor allem für die Themen von überregionaler Bedeutung. Was tat sich in Deutschland, in Europa, in der Welt? Heute gilt dies auch für die regionalen und lokalen Themen. Wer seine “Freunde” und “Follows” “gut” im Sinne von informativ zusammen stellt, ist gut aufgestellt. Man erfährt eine ganze Menge, sogar Dinge, die gar nicht in den klassischen Medien vorkommen, weil diese a) das Thema für zu unwichtig erachten oder b) zu wenig Platz haben auf ihren Seiten und Sendeplätzen oder c) die Geschichte einfach nicht bringen, vielleicht gar unterdrücken wollen.
Die Lokalmedien müssen sich unter diesem Druck des Internets und der dort kommunizierenden Individuen, die sich nicht als “anonyme Massenmedien-Konsumenten” verstehen (wollen), verändern. Da hilft es nicht, wenn seitenweise ein Konzert nach dem anderen abgenudelt wird, wenn die Zielgruppe Jugend/ junge Leute die Zeitung gar nicht in die Hand nimmt; wenn diese von ihren Deutschlehrkräften schon so qualitativ geprägt ist, mehr über die Rechtschreibfehler als über die Inhalte in der Zeitung zu reden, mehr über Manipulationen, Nichtgesagtes oder falsche Bildzuweisungen.
Wenn Zeitung nicht ein Produkt für wenige werden will, müssen ihre Macher umdenken. Sie brauchen Qualität, nicht Rotstift. Sie brauchen gut ausgebildete Leute, nicht Quereinsteiger. Denn heute gibt es sehr wohl exzellente Aus- und Weiterbildung. Die zum Teil etwas kostet, aber das Geld ist gut angelegt.
Bei allem Pessimismus – es gibt sie noch, die guten, gut gemachten, klug geschriebenen und pfiffig umbrochenen Zeitungen. Selbst die NZZ, eigentlich sehr zurückhaltend, hat exzellente Grafiken und Bilder. Die SZ punktet mit hervorragenden Reportagen und Hintergrundgeschichten.
Zeitung – sie muss uns in der gigantischen Masse der Informationsflut (das Wort “Tsunami” mag ich in dem Kontext nicht verwenden, es ist ein zu trauriger Begriff für so viel Leid) ein Wegbegleiter sein, ein Navigator parallel zu all dem, was wir auf unterschiedlichen Plattformen selbst – mehr oder weniger zufällig – konsumieren. Und – Lichtblick – wenn man “digital natives” auf herausragende Printerzeugnisse hinstupst, haben diese sehr wohl Gefallen, Freude – und geben für guten “Content” auch Geld aus. Qualität darf eben etwas kosten. Wie bei den Apps.

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Groll über Twitter?

Zu meiner größten Freude lud vor kurzem die CSU meiner Heimatstadt den Präsidenten der BLM Bayerische Landeszentrale für neue Medien ein. Noch nie hatte die CSU meiner Heimatstadt sich für Medienthemen in der Präzision interessiert. Ich freute mich. Und ich ging hin.
Zu meiner größten Überraschung kamen nur wenige. Sehr wenige. Zunächst vielleicht 20 Personen, inklusive Presseleute, Referent, CSU-Vorstandsmitglieder, Familienangehörige. Im Laufe des Abends kamen nochmals gut 7 Leute. Der große Saal mit dem schönen großen Rednerpult war nicht gefüllt.
Die Rede des BLM-Präsidenten war o.k.. Er war vielleicht ein bißchen traurig, dass so wenig da waren. Aber wir haben uns im Anschluss noch gut unterhalten. Das war gut.
Über die Veranstaltung habe ich – das konnten auch alle sehen – getwittert. Für die, die nicht da waren. Für die, die wußten, dass diese Veranstaltung stattfand. Wo man sich doch für Medien der überregionalen Art interessierte in meiner Heimatstadt. Das ist doch schön.
Jetzt höre ich, dass “man” sich aufregt, weil ich getwittert habe. Ja was nun – will man sich Medienkompetenz aneignen oder nicht? Wollte man etwas über Medien erfahren bei dieser öffentlichen Veranstaltung oder nicht?
Ich jedenfalls freue mich, dass ich via Twitter u.a. mit der BLM nun verbandelt bin. Das ist spannend. Und gut in der Medienwelt des 21. Jahrhunderts. Vielleicht kommt der BLM-Präsident ja noch einmal in meine Heimatstadt und berichtet über die Vor- und (sicher auch) Nachteile der sog. sozialen Netzwerke und der neuen Art der Kommunikation. Das wäre doch schön.
Dass Tweets auch von “Nicht-Followern” gelesen werden können, ist schon o.k., ich begrüße auch diese. Aber – kritisiert doch mal mit offenem Visier.
Im Übrigen – es wäre schön, wenn die Twitter-Kritiker sich beim nächsten CSU-Netzkongress einfänden. Denn der war spannend. Und das weiß ich u.a. durch die höchst interessanten Tweets derer, die da waren. Ich war nämlich beruflich verhindert. Beim Netzkongress – da ist die CSU in München mit ihren Gästen einfach super vorne dran. Und es war schon der zweite Netzkongress. Mit dem Titel übrigens:In Freiheit und Fairness. Chapeau. Lob an Dorothee Bär. An Edmund Stoiber. Und die, die mich auf dem Laufenden hielten. Via Tweets.

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Nicht neu, aber immer wichtiger: Das Faktenprüfen – vom “Fact Checker”

Einen hoch interessanten Beitrag von Tatjana Rauth kann man dieser Tage – seit gestern im Netz – bei derstandard.at lesen. Die immer wieder zu lobende Qualität dieser exzellenten Zeitung aus dem Nachbarland Österreich bringt in ihrem Online-Bereich laut eigener Darstellung “Nachrichten in Echtzeit” – und das, was man dort zu lesen bekommt, ist immer wieder spannend, anregend, innovativ, gut reflektiert.
Beim Mainzer MedienDisput im Herbst 2011 hörte ich die Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid erstmals, gelesen hatte ich schon viel von ihr. Sie war einfach exzellent, unaufgeregt, clever, auch sympathisch.
Was nun schreibt derstandard.at mit Datum Montag dieser Woche? Hier nachzulesen:

http://derstandard.at/1328162323249/We-fact-check-your-ass-Digitales-Fact-Checking-veraendert-Journalismus

Es geht um die Rolle von “Fakten-Checken” – eine wichtige Arbeit, die in Zeiten des Überflutens von Nachrichten immer bedeutender wird. Vielleicht wird der “fact-checker” gar die zentrale Rolle in den Medien, nicht nur in den Leitmedien übernehmen, wo der neudeutsch “User” kaum noch Orientierung findet im Nachrichten-Wust? Die Qualitätsprintmedien haben für diese Aufgaben exzellente – und zahlreiche Mitarbeiter/innen. Die Onlinemedien haben die Chance und die Hilfe durch die vielen, die im Netz als Korrektiv (mit-)wirken.

Die “kleineren” Medienhäuser sollten an dieser Funktion nicht sparen. Es hat ja schon weh getan, als man sich die Korrektoren und Lektoren “eingespart” hatte. Es tat weh, als die Aufgabe der Fotografen plötzlich die Redakteure mit zu übernehmen hatten.
Es täte dem Journalismus gut, sich auf diese ureigene Tugend des “Fakten-Checkens” zu besinnen.
Das ist ganz im Sinne der guten alten (und immer wieder aktualisierten) Kodices des Deutschen Presserates.

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Medienkompetenz fördern und fordern

Ja, das ist in aller Munde. Jeder will die Medienkompetenz steigern, fördern, an alle Zielgruppen denken. Interessant ist freilich, dass jeder andere “Bösewichte” im Auge hat, wenn über die Gefahren gesprochen wird (was u.a. in Sachen Datenschutz auch eine Berechtigung hat). Für die einen sind Facebook, Twitter und Co. das schlichtweg Negative, für die anderen sind diese sozialen Netzwerke inzwischen DIE Form der Kommunikation geworden.
Wer twittert, kann Banales in die Welt hinauspusten. Wer sich jedoch eine gut durchdachte Twitter-Gemeinde erstellt, schlauen Leuten und Gruppen folgt, kann sich exzellent informieren. Kurz, knapp, prägnant. Simple Plaudertaschen kann man ja jederzeit wieder “abhängen”.
Freundesgruppen (“echte” Freunde) auf Facebook treffen sich sehr wohl zu guten Begegnungen (nicht immer geht es um eine Party, zu der sich alle Welt eingeladen fühlt – aber das macht eben Schlagzeilen). Medienkompetenz ist eben auch hier gefragt. Die Pfiffigen im Netz müssen dann nicht mehr x Email-Adressen aneinander reihen. Schon heute wird ein Ende bzw. Abflauen der Email-Kommunikation gesehen.
Auffällig ist, dass sich inzwischen eine Kluft nicht nur zwischen sog. Digital Natives und Digital Immigrants herausgebildet hat. Diese Kluft ist gar nicht mehr so gravierend. Die neue Kluft trennt die, die einfach mal die sozialen Netzwerke pauschal ablehnen, von denen, die sie, vielleicht manchmal, zu exzessiv nutzen. Der gesellschaftliche, der politisch-soziale Dialog verändert sich dadurch.
All diese Netzwerke der neuen digitalen Welt sinnvoll zu nutzen, schafft, wer Medienkompetenz hat, sich aneignet, bei allem kritisch-konstruktiv “im Netz” und in seiner Kommunikation unterwegs ist. Unser neues IfM, aber auch viele andere Institutionen und Verbände helfen hier. Sie werden gut angenommen von unterschiedlichsten Zielgruppen (Beispiel: www.institut-fuer-medienkompetenz.de).
Die Information über die sozialen Netzwerke sind “flott”. Hintergrund zu bieten, serös, korrekt, in die Tiefe gehend, ist die (aktuelle, aber immer wichtiger noch die zukünftige) Aufgabe der “Medien-Klassiker”.
Es ist an der Zeit, dass sich die “klassischen” Medien, z.B. die Zeitungen, die gedruckten, darauf einstellen, dass ihre Nutzer “anders” geworden sind. Das bedeutet auf keinen Fall den Untergang der Printmedien. Wenn sie das erkennen.
Die ZEIT ist bestens vorbereitet und ein Genuss. Ihre Online-Version kein Abklatsch der Print-Ausgabe. Die Verlinkungen sind vorzüglich. Ein Mehrwert für die Nutzer.
Wenn jedoch die Tageszeitung keinen Mehrwert bietet, wenn sie weiterhin ihre Stärken vernachlässigt (und in vielen Bereichen ist gerade die HEIMAT die Stärke, die leider immer mehr reduziert und immer mehr tendenziös geboten wird), wenn sie fast wörtlich bringt, was 23 Stunden vorher über die sozialen Netzwerke, in TV und Radio und dem dortigen Teletext auch schon bekannt gemacht wurde, kommt keine neue “Zeitungsgeneration” nach. Das wäre schade. Finde ich. Noch will ich beides – die gedruckten und die digitalen Medien. Meine Studierenden sind da schon – ja, fast will ich sagen, radikaler. Aber noch geben auch sie dem Medium Print eine Chance. Hoffentlich wird sie genutzt. Für – neue – Nutzer.

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Neues von der bzw. zur BLM

Die BLM liegt mir am Herzen (nach wie vor). Deren Themen, deren Aufgaben. Der vor zwei Tagen vorgelegte Bericht des Bayerischen Obersten Rechnungshofes vom 6. Dezember 2011 – Jahresbericht 2011 – , das muss ich schon sagen, erschüttert mich, und zwar in mehrerlei Hinsicht (hier ist er nachzulesen:
http://www.orh.bayern.de/files/Jahresberichte/2011/JB2011.pdf ).
Es geht um Einsparungen – in Zeiten, wo allüberall gespart werden muss. Es geht um Vorschläge für Einsparungen, teils seit Jahren formuliert, in Gutachten wie durch den Rechnungshof, und es hat sich offensichtlich null getan. Das ist gut nachzulesen im Bericht auf den Seiten 155 – 165.
Auf Seite 157 heißt es wörtlich: “Umgesetzt wurde von diesen Vorschlägen nichts.” Lapidarer resignativer kann man das gar nicht formulieren. Auf Seite 160 wird nach einem Vergleich mit anderen Bundesländern festgestellt: “Eine solche Förderung gibt es in keinem anderen Land.”
Der Landtag muss entscheiden, wie er mit Fördermitteln für die BLM im Zusammenhang der Senderförderung umgeht. Das ist eine politische Angelegenheit. Der ORH sagt, dass 9 Millionen Euro der Aufwendungen auf die Förderung der Lokal- und Regional-Fernsehanbieter fielen.

Zum Vergleich: Der Personalaufwand liegt bei 7,6 Millionen Euro (Zahlen von 2009). Innerhalb der BLM als “Unternehmen” ist auch ein sorgsamer Umgang mit Geldern erforderlich, denke ich. Da hat der ORH sicher recht, wenn er in seiner Pressemitteilung schreibt, die BLM könne auch im eigenen Hause viel sparen.
In der Branche ist sowieso bekannt, wie üppig die Gehälter (der Oberen, derer es mehrere gibt) sind. Selbst nach der aktuell vorgenommenen Kürzung des Gehalts des jetzigen Präsidenten nach einer öffentlichen Diskussion zu Jahresanfang (wir erinnern uns gut!) wird gemunkelt, man warte schon darauf, dass dieses vom zuständigen Gremium bald wieder angehoben werde. Wir werden sehen.
Richtig wäre in solchen Zeiten (und in den kleinen privaten Radio- und Fernsehstationen werden keineswegs üppige Gehälter bezahlt, was ich allen gönnen würde), dass die BLM nicht ein Beharrungsverhalten an den Tag legt, sondern dass sie im eigenen Hause Sparwillen zeigt, angemessen, realistisch, ohne Neiddiskussion, aber korrekt – vor allem an den Spitzengehältern. Jeder in der freien Medienwirtschaft kann da nur staunen, jeder im öffentlichen Dienst sowieso. Und – dessen bin ich mir sicher – auch dort arbeiten die Menschen!

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Medienpolitik

Medienpolitik ist wichtig. Nicht nur, weil es ein Wechselwirkungsverhältnis gibt zwischen Medien und Politik – auch wenn das nicht immer so gesehen wird. Medienpolitik ist auch Standortpolitik.
Bayern ist ein wichtiger Medienstandort, ob noch die Nummer 1, wie unter Ministerpräsident Stoiber, dem die Medienpolitik sehr wichtig war, ist die Frage. Schade, dass der jetzige Ministerpräsident dem wohl größten Medienkongress Europas, den Medientagen München, auch im Herbst 2011 wieder bei der sog. Elefantenrunde einen “Korb” gab. Aber vielleicht braucht es da auch keinen Ministerpräsidenten, denn es gibt ja sog. Medienminister.
In Bayern sind dies die jeweiligen Leiter der Staatskanzlei. Wenn diese aber – aus vielerlei Gründen – nun schon in Halbjahresschritten wechseln, ist dies subjektiv zu bedauern, objektiv aber ist dies für die Medienpolitik nicht gerade förderlich.
Ein Medienminister, sofern er bislang nicht allzu viel mit Medien zu tun hatte, muss sich einarbeiten (da werden so manche Ministeriale jetzt wieder nervös, müssen den “neuen” Chef der Branche erst mal vorstellen etc.), was sicher gut funktioniert, wenn denn ein Interesse für die Medienwelt da ist.
1994 und dann wieder 1998 bis 2005 war dies Erwin Huber. 2005 bis 2008 war dies Eberhard Sinner. Von 2008 bis Frühjahr 2011 war dies Siegfried Schneider. Von März 2011 bis November 2011 war dies Marcel Huber. Seit Anfang November 2011 ist dies Thomas Kreuzer.
Die Zeitintervalle werden immer kürzer. In der Medienbranche beobachtet man dies mit großer Aufmerksamkeit. Denn die Branche braucht eine verlässliche Medienpolitik. Und Kontinuität. In einer Zeit, in der sich die Medienwelt nach wie vor rasant ändert. Die anderen Bundesländer beobachten dies auch ganz genau. Und noch immer kann beispielsweise Berlin punkten als Medienstandort mit den viel günstigeren, ja billigen Mieten – für Büros wie für privat notwendige “Quadratmeter”.
Glück auf also für Thomas Kreuzer, er möge sehr rasch sein Augenmerk auf die Medienbranche richten – und sich vor falschen Einflüsterern hüten.

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Erklären und wahrhaftig sein

Die Journalisten haben viele Aufgaben, die Themen, die die Welt – die große wie die kleine – bewegen, haben sie zu transportieren, und das, ohne zu lügen, ohne sich für eine Sache oder eine Person gemein zu machen, ganz im Sinne von Hajo Friedrichs, einem der großen Moderatoren der Tagesthemen in den 1980er Jahren.
Wirtschaftsjournalisten haben das Problem, dass sie – nicht selten – Informationen zu transportieren haben, die schwierig, kompliziert, komplex sind, so dass – siehe EU und Rettungsschirm – so mancher Politiker in den Medien kaum exakt formulieren konnte, worum es eigentlich geht.
Fachjournalisten sind dann gut, wenn sie in allgemein zugänglichen Medien (in der Fachpresse ist der Kreis der “User” kleiner, aber eben auch aus der Fachbranche) etwas so erklären können, dass das Verstehen bei den Nutzern wächst, nicht das Nichtverstehen. Wenn Fachjournalisten über technische Details eines Atomkraftwerkes von (Atom-)Physikern verstanden werden, ist das m.E. einfacher, als wenn die breite Masse den Beitrag zu verstehen hat.
Es gibt viele exzellente Beispiele für exzellenten Journalismus, und das nicht allein bei den sog. großen Qualitätsmedien, denn: Qualität kann auch in vermeintlich kleinen Medien stecken. Aber: So manche publizieren leider nur für eine eng umzirkelte Fach-Community, verwenden nur deren Fach-Termini, genieren sich vielleicht sogar, zu erklären, Politiker-Kauderwelsch zu “übersetzen” oder kritisch zu hinterfragen. Tagesschau.de hat sich mit dieser Frage befasst:

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/interviewgoderbauermarchner100.html

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Anonym, Pseudonym, feig?

Anonymität ist in meinen Augen nicht selten kombiniert mit Feigheit. Dass das Internet, in dem auch OHNE Klarnamen kommuniziert wird, auch ein Hort von Leuten ist, die mit ihrem richtigen Namen nie im Leben die Dinge sagen oder schreiben würden, die sie von sich geben, versteckt hinter Pseudonymen, ist Realität. Der Begriff nickname ist da m.E. verharmlosend.
Interessant wird sein, was sich bei Google+ tut, da das Thema Pseudonym dort zumindest interessant interpretiert wird. Lesenswert http://www.internet-law.de/2011/07/verstost-der-ausschluss-von-pseudonymen-bei-google-gegen-deutsches-recht.html.

Aber: Persönlich will ich nicht belästigt werden von Feiglingen. Jüngst erst stellte mir jemand unter Pseudonym eine Frage, die er, mit Klarnamen angesprochen, abtat. Es war ein mir bekannter Journalist. Jüngst erst erhielt ich eine eigenartige Email mit eigenartigen Fragen bzw. einem eigenartigen Ansinnen von einem Allerweltsnamen aus dem schönen Österreich – dank web oder gmx ist ja das kein Problem. Ob der Name “echt” war?

Raten möchte ich allen Demokraten und guten Journalisten, mit offenem Visier zu argumentieren, zu recherchieren – das macht Qualitätsjournalismus aus.

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Hans Maiers Autobiographie

Ich darf heute auf ein neues Buch verweisen, das ich derzeit nächtens “verschlinge”: Hans Maier: “Böse Jahre, gute Jahre: Ein Leben 1931 ff.” Für dieses Buch will ich daher hier tatsächlich mal echte Werbung (nicht “geschlichene”, sondern offene) machen.
Über 400 Seiten dick, äußerst interessant zu lesen (wer beispielsweise Politikwissenschaft in den vergangenen Jahren/Jahrzehnten studiert hat, kommt aus dem zustimmenden Staunen nicht mehr heraus). Maier war ein kluger Kultusminister. Und er ist ein wunderbarer Autor. Was nicht so einfach ist bei einer Autobiographie, wo manche ins Eitle abrutschen. Er nicht.
Den Nachwuchsjournalisten und den aktiven “älteren” Journalisten wirklich wärmstens empfohlen. Allein auf Seite 51 ff. die wunderbar simple und doch so selten befolgte Regel, dass Meldung und Meinung nicht zu vermengen seien.
Bei Beck erschienen, unter 25 Euro der Preis. Und: Die Rezensionen bei Amazon sind trefflich formuliert (ist auch nicht immer der Fall). Danke meinem lieben politischen Mentor, der mir das Buch – sogar mit einer Widmung – brachte.

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